Kungsleden 2009: Von Abisko – Vakkotavare (Schweden)

Vorwort über das Trekking und eigentlich überhaupt

KungsledenWarum geht man eigentlich tagelang alleine durch die Wildnis? Ok, nicht alleine – es war der Kungsleden. Man wandert sich etwas von der Seele oder um der neu-modernen hektischen Web-zwei-Null Welt zu entgehen, um seinem inneren Abenteuerdrang nachzukommen oder einfach nur um der Natur willen. Die Liste könnte wohl noch ewig verlängert werden. Es gibt so viele Gründe.

Bei mir persönlich ist es wohl eine Mischung aus dem Abstand nehmen zum hektischen Alltag, dem grandiosen Naturerlebnis und ein Abenteuer mit meiner Frau zusammen zu erleben und so unsere gemeinsame Bindung zu einander weiter zu stärken. Eine Beziehung muss gepflegt werden – aber das ist ein anderes Thema. Meine Frau muss meine Abenteuerlust immer wieder bremsen und das ist auch gut so, sonst würde ich mich (uns) vermutlich übernehmen. Laut den Alpenvereinen ist die häufigste Unfallursache „subjektive Fehlleistung“ – zu denen neben Stolpern und Stürze, mangelhafter Ausrüstung, auch Selbstüberschätzung zählt. Autsch! Gut dass meine Frau und ich ein Team sind.

Und warum der schwedische Kungsleden? Schließlich war es unsere erste mehrtägige Trekkingtour. Genau dafür ist der Kungsleden (insbesondere von Abisko nach Vakkotavare bzw. zum Kebnekaise) wunderbar geeignet, da er ein recht behüteter Weg ist. Sowohl als Trekking-Einsteiger als auch für Erfahrene ein absolut empfehlenswerter Weg.

Nun wünschen wir euch viel Spaß mit unserem Bericht!
Lieber Leser, falls du noch konkrete Fragen hast, kannst du sie gerne als Kommentar unten drunter schreiben – wir versuchen sie dir bestmöglich zu beantworten.

Viele Grüße,

Lucian & Sabrina

Vorbereitung & Ausrüstung

Nachdem ein Freund uns erzählte, dass ein Bekannter irgendwo in Südafrika völlig überrascht von den dortigen „Sitten“ quasi ausgeraubt wurde, nahm ich das zumindest zum Anlass, mich definitiv ausreichend vorzubereiten. Denn bei ihm war es nicht die mangelnde Erfahrung (denn die hatte er zu genüge – auch für solche Länder), sondern die mangelnde Vorbereitung. Möglicherweise auch aufgrund von Überschätzung à la „Naja, so genau muss ich nach solchen Dingen nicht recherchieren, ich werd‘ schon zurechtkommen. Schließlich hab ich ja genug Erfahrung“. Aber das ist reine Kaffeesatzleserei von mir. Schweden ist definitiv kein Land, bei man vor Korruption und Verbrechen in einem auch nur ansatzweise ähnlichen Grad wie in Afrika Angst haben muss, dennoch sollte man die Vorbereitung nicht mal eben schnell so larifari machen. Ich darf nochmal an die Alpenvereinsstatistik erinnern: Subjektive Fehlleistung. Unpassende Ausrüstung beruht wohl mal wieder auf Selbstüberschätzung oder auf schlechter Vorbereitung.

Zum Kungsleden, insbesondere zum ersten Teil von Abisko aus, gibt es ziemlich viel Literatur.
Ein empfehlenswertes Buch, welches auch bequem mitgenommen werden kann, ist „Schweden: Kungsleden“ vom Conrad Stein Verlag. Es beschreibt den kompletten Kungsleden. Der Kungsleden wird auch Königsweg (kungsväg) genannt, weil er 1905 bis nach Kvikkjokk führte, welches zur damaligen Zeit zu Norwegen gehörte. Der Kungsleden führte also zwischen den beiden Königreichen Schweden und Norwegen hindurch. Neben dem Kungsleden-Buch, haben wir uns auch einige Fotos und Videos auf Youtube, Flickr und die Strecken über Google Earth angesehen. Ansonsten empfiehlt es sich auch Reiseberichte im Internet lesen, da man dort erstens aktuelle Informationen und zweitens einige hilfreiche Tipps bekommt.

Was die Ausrüstung angeht, waren wir wohl ganz gut vorbereitet – nie hat irgend was essentielles gefehlt. Der Trekking-Ausrüstungsliste auf unserer Tour habe ich eine eigene Seite gewidmet, da ich auch erklären möchte, warum gerade auf diesen Ausrüstungsgegenstand bzw. das jeweilige Kleidungsstück die beste Wahl ist.

Eine der hilfreichsten Informationen, die man so direkt nicht aus dem gelben Büchlein herauslesen kann, ist in welchem Umfang man Nahrungsmittel auf den Hütten kaufen kann. Wenn wir gewusst hätten, dass es dort alles Mögliche von Chips über Nudel bis hin zu Trekkingnahrung gegeben hätte, hätten wir nicht Proviant für alle Tage mitnehmen müssen. Aber so war das nun einmal. Der gefühlte Gewichtsunterschied zu Anfang der Tour im Vergleich zu dessen Ende waren Welten. Zweifelsohne.

Neben der Vorbereitung für die Tour muss man sich natürlich auch um die Anreise kümmern.
Im Vorfeld haben wir den Hin- und Rückflug sowie die Anreise mit dem Nachtzug gebucht. Den Rückreisetermin mit dem Zug wollten wir uns offen lassen.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu den Hüttenübernachtungskosten und einer STF-Mitgliedschaft (STF ist der dortige Bergverein – vergleichbar mit dem DAV). Wer plant regelmäßig in den Hütten zu übernachten, dem empfiehlt es sich eine STF-Mitgliedschaft einzugehen, da man dadurch relevante Rabatte in den Hütten erhält. Für Familien (2 Erwachsene + beliebig viele Kinder) kostet das insgesamt 450 SEK und für einzelne Personen 295 SEK. Zu den Hüttenpreisen an sich schreibe ich später noch mehr.

Anreise nach Abisko

Zug in Stockholm-ArlandaAm 7. Juli 2009 am Vormittag ging’s los zum Nürnberger Flughafen. Die Tatsache, dass wir wegen der großen Rucksäcke nicht normal einchecken konnten, sondern die Rucksäcke durch die spezielle Zollstelle für übergroße Gegenstände mussten, hat erst mal für etwas Empathiestress gesorgt.
Das Milchpulver sowie das Kaffeepulver hatten wir übrigens bewusst ganz oben in die Außentaschen gepackt, damit der Zoll bei Bedarf nicht den ganzen Rucksack durchwühlt, nur weil er ein (weißes) Pulver auf dem Scanner sieht. Die Zollbeamten waren aber überraschend entspannt, als wir das sagten. Sehr schön! Der Flug selbst ging mit der KLM Airline zunächst mal nach Amsterdam. Dort hatten wir laut Plan ca. 2h Aufenthalt. Tatsächlich waren es aber mehr und ein heilloses Durcheinander, weil Flüge ständig von einem Gate zum anderen verschoben worden sind und sich die Abflugzeiten auch dauernd änderten. Vor Ort hatte uns das ungemein genervt, im Nachhinein, war es aber eigentlich nicht so schlimm, weil wir unseren Anschlusszug in Stockholm dann doch erwischt hatten (Gut, dass ich genug Luft eingeplant hatte). Die Holländer sehen das Ganze mit den Flugplänen und so glaube ich auch gar nicht so eng und zudem ist KLM nicht gerade eine Airline der Lufthansa-Klasse. Irgendwo müssen die günstigen Preise ja herkommen.

Ein Tipp noch für alle, die ebenfalls in Amsterdam etwas Aufenthalt haben: Im öffentlichen, unteren Bereich in einer der Ecken, gibt es die bisher besten Pommes und die beste Sauce, die ich je gegessen habe. Sie sind mindestens Fingerdick, total frisch und die Mayonnaise ist ebenfalls spitze. Der Laden heißt irgendwas mit Vlam Pommes oder so.

Bahnhof in KirunaIn Stockholm dann angekommen, haben wir uns erst mal mit Baguettes für die Zugfahrt eingedeckt. Und das war auch gut so. Denn das angebotene Essen im Zug ist – äh – naja nicht unbedingt empfehlenswert. Ein schwedischer Bahnangestellter am Schalter hat uns dann in perfektem Englisch geraten, lieber einen Zug eher vom Flughafen bis nach Uppsala zu nehmen, weil der Zug häufig Verspätung hätte. Am Bahnsteig am Stockholmer Flughafen fühlt man sich der d ortigen Optik wegen ein bisschen wie in ein Bergwerk versetzt. Wenn dann auch noch schwarze Züge mit riesigen Scheinwerfern einfahren erst recht. Grandios! Ich sitze genau jetzt gerade in einer hässlichen Regionalbahn mit grünen, verdreckten Bezügen und bin auf dem Weg zur Arbeit – wenn ich mich an den extrem breiten (3er Sitze auf jeder Seite), bequemen und luxuriösen Zug nach Uppsala erinnere, fühle ich mich gerade ein wenig wie in einem Zug Mitte des letzten Jahrhunderts. Züge haben in Schweden einfach einen ganz anderen Stellenwert. In Uppsala ging’s dann ca. 15h weiter mit einem Nachtzug nach Kiruna. Dort einige Zeit Aufenthalt und dann weiter zur Abisko Touriststation 68° 21‘ Nord und 18° 50‘ Ost.

Anreise zum nördlichen Kungsleden bzw. nach Abisko:

  • Relativ flexibel mit dem Nachtzug über Kiruna nach Absiko (ca. 15h)
  • Alternativ gibt es auch einen Flughafen in Kiruna
  • Günstig nach Stockholm kommt man beispielsweise mit der KLM Airline (meist über Amsterdam)

Kungsleden-Streckenkarte – Abisko bis Vakkotavare

Kungsleden-Etappe 1 – Abisko nach Abiskojaure

Etappeninfos
Etappenlänge: 15km
Reine Gehzeit: 4,5h

Unsere Gehzeit inkl. Pausen: 6h
Start: 15:00 – Ankunft: 21:00

5288_1066070946806_1677011028_140054_2019864_nNachdem wir an der Haltestelle Abisko Tourststation (Bahnhof wäre übertrieben) angekommen sind, haben wir uns erst mal auf die Suche nach eben genau der Touriststation gemacht. Man läuft den kleinen Hügel hinunter, rechts durch den Tunnel und dann über die Straße. Der ganze Gebäudekomplex ist dafür, dass es so weit auf dem Land ist riesig! Drinnen gibt’s einen Trekking-Laden, der so ziemlich alles hat! Wirklich faszinierend. Wenn man irgendwas vergessen hat – da gibt’s das Gesuchte ganz bestimmt. Nachdem wir uns dort mit Fjällkarten (BD6 und BD8), Spiritus, heimisches Anti-Mückenmittel und einem Multifunktionskopftuch, welches meine Frau entdeckt hat und unbedingt haben wollte, eingedeckt haben, waren wir bereit. Naja, fast. Eins fehlte noch: Das letzte Abendmahl richtige Mittagessen. Die Abisko Touriststation ist eher wie ein ziemlich großes Berghotel, daher gibt es dort richtige Buffets mit allem drum und dran. An dem Tag gab es Fisch mit Kartoffeln, Salat, Gemüse, Getränken, uvw. zu einem pauschalen Preis von etwa 7,50€ pro Person. Da haben wir nicht nein gesagt und uns den Magen vollgeschlagen. Nach dem Essen den Spiritus noch in die Sicherheitsflasche umgefüllt und dann ging’s los. Oh verdammt, war der Rucksack schwer.

Meiner wog anfangs knapp 23kg, das sind über 35% meines Körpergewichts! Eigentlich ist das zu viel.

Die Bundeswehr sagt, dass ein Soldat 33% seines Körpergewichts tragen kann. Viele Ausrüster sagen aber, dass das für den „normalen“ (Büro-)Trekker zu viel ist. Bei 25% des eigenen Körpergewichts ist das Rucksackgewicht ok und bei 20% ist es gut erträglich. Dem stimme ich übrigens voll und ganz zu.

Kleiner Tipp am Rande: Das Eigengewicht des Rucksacks unbedingt mit einrechnen. Bei großen Trekkingrucksäcken ist das nicht unerheblich. In der Regel gilt: Je mehr Komfort der Rucksack bietet, desto schwerer ist er im Eigengewicht.

5288_1066070906805_1677011028_140053_1310818_nDer Kungsleden beginnt: Man schreitet durch das große, hölzerne Kungsleden-Portal und läuft dann auf einem breiten ausgetretenen Weg durch einen Krüppelbirkenwald. Teilweise führt der Weg durch recht feuchte Stellen über Holzpanelle. Nach einiger Zeit kommt man an eine schöne, felsige Stelle, die recht nah zum Fluß Abiskojakka führt. „Jakka“ heißt auf sämisch übrigens „Fluß“.

Auf den Felsen war ziemlich viel los. Die einen haben sich gesonnt, die anderen haben Joga gemacht oder meditiert. Insgesamt begegnet man am ersten Tag ziemlich vielen Tagesausflüglern.

Nachdem wir einige Fotos geschossen haben und ebenfalls paar Minuten gerastet haben, ging’s weiter. Nachdem wir an einen weiteren Felsen mit Ausblick kamen, fragte mich meine Frau, wo wir gerade sind. „Moment. Ich schau mal kurz auf die Karte.“ Ich wollte an die Seite zu meinem Kartenhalter greifen, aber da war nichts. Die Karte war weg! Und das schon am ersten Tag!

Nach einer kurzen Schrecksekunde, habe ich mich kurzerhand entschlossen, ohne Rucksack zurück zu joggen und die Karte zu suchen. Zum Glück waren die entgegenkommenden Wanderer so freundlich und haben mir nach einer kurzen Frage einen Tipp gegeben, wo Sie die schwarze Kartentasche gesehen hatten. Ich musste bis zu der freien Felsenstelle zurück. Das war ein ordentliches Stück! Aber es half ja nichts. Ab sofort musste ich die Karte sicherer befestigen. Die Kartentasche hatte sich wohl beim Abnehmen des Rucksacks gelöst. Nachdem ich endlich wieder zurück war, hatten wir schon ordentlich Zeit verloren, also liefen wir gleich weiter.

Tag 1 - Stromschnellen des Flusses AbiskojakkaIrgendwann kommt ein kleiner Rastplatz in Sicht und kurz darauf eine Hängebrücke. Übrigens ein kleiner Tipp zur Orientierung an der Karte: Es sind nur die großen, meist metallenen Brücken in der Karte eingezeichnet. Man entfernt sich dann wieder ein Stückchen vom Abiskojakka und wandert über Holzpaneele etwas tiefer in das Feuchtgebiet hinein um dann wieder zum Fluß geführt zu werden, wo man zum Rastplatz Niskojohka mit Zeltmöglichkeit kommt. In den meisten Nationalparks ist das Zelten nur an ausgewiesenen Stellen erlaubt und kostet auch für Zeltgäste in der Regel etwas. Je nach Leistungsangebot und verfügbaren Alternativen ist es mal teurer, mal günstiger – 2009 lagen die Preise für Zeltgäste zwischen 5,00 und 11,00 € pro Person. Dafür darf man auch soweit vorhanden die Küche, die Sauna, die Frischwasserstelle und die Toiletten benutzen.

Tag 1 - Blick von der HängebrückeEinige Minuten weiter überquert man einen Fluss über eine recht lange Hängebrücke. Optisch wirkte das Ganze ein wenig wie Kanada. Ein großes, breites Flussbett mit vielen hellen Steinen und ganz klares, sauberes, recht reißendes Wasser. Wenig später führt der Weg bergauf zum See Abiskojärvi. Auch dort lädt ein weiterer Rastplatz dazu ein, die Seele einen Moment baumeln zu lassen. Am Seeufer ist eine alte Samenhütte zu sehen. Nach der Pause, kommt uns dann wenige Meter weiter über die Buckelpiste ein Ranger auf einem Quad mit beachtlichem Tempo und einem breiten Grinsen im Gesicht entgegen. Ihm macht’s sichtlich Spaß – und wir müssen beinahe zur Seite springen. Auf dem Weg kommt man auch an einigen verlassenen, traditionell gebauten Koten vorbei, die früher wohl den Reisenden als Unterkunft gedient haben.

Inzwischen ist es bereits gegen 20 Uhr und die letzte Stunde zieht sich gefühlt eine Ewigkeit hin. Nachdem wir erst mal die Hütten suchen mussten, weil wir nicht genau wussten, wo der Weg nach der Brücke weiter verläuft, kamen wir endlich an.

Ein netter Hüttenwart, der erfreulicherweise sogar Deutsch sprach empfing uns und erklärte uns, wo wir zelten durften und wo es frisches Trinkwasser gab. Neben dem Hüttenwart, wurden wir beim Zeltaufbauen von nicht gerade freundlich gesonnen Mücken empfangen. Direkt neben dem Platz war eine Art Sumpfgebiet. Na super! Zum Glück wirkte das schwedische Mückenmittel gut. Auf der Haut, ja – nur leider hatte uns keiner gesagt, dass die verdammten Biester auch durch die Kleidung stechen. Die Konsequenz war, dass wir von da an anfingen, auch die Kleidung mit einzuschmieren.
Was zwar recht verschwenderisch war, aber dafür sehr effektiv!

Tag 1 - MitternachtssonneDie Abiskojaurestugorna Hütten waren mit bestimmt 20-30 Gästen insgesamt recht belebt. Sie bieten Platz für ca. 50 Gäste plus nochmal nahezu beliebig viele Zeltcamper. Deshalb hatten wir unser Zelt auch in einer recht ruhigen Ecke ein paar Meter abseits aufgeschlagen. Und dann kam das Beste des Tages: Das Abendessen! An dem Tag hatten wir leckere Pasta Funghi. Mmmh! An dem Abend war es recht kalt, deshalb hatten wir uns entschieden noch einen heißen Tee zu trinken und in die Schlafsäcke gekuschelt noch etwas zu lesen. Im Sommer ist das sehr praktisch, denn es wird ja aufgrund der Mitternachtssonne nicht dunkel. Die Mitternachtssonne ist schon eine faszinierende Sache. Irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr bleibt die Sonne quasi am Horizont kleben und der Schatten an den Bergen bewegt sich nur noch um wenige Millimeter. Was die Helligkeit betrifft, würde ich das Licht wie bei uns im Sommer, kurz vor Beginn der Dämmerung einordnen. Die Schlafbrillen waren ein absolutes Muss und definitiv nicht zu viel im Gepäck. Das Einschlafen in der ersten Nacht war allerdings trotz Schlafbrille nicht ganz so einfach wie Gedacht. Irgendwann übermannt einen die Müdigkeit aufgrund Anstrengung des Tages dann doch…

Kungsleden-Etappe 2 – Abiskojaure nach Alesjaure

Etappeninfos

Etappenlänge: 20km
Offizielle, reine Gehzeit: 6-7h
Übernachtungsmöglichkeiten: Innerhalb der kleinen Insel bei den Alesjaure-Hütten kostenpflichtig, oder kostenlos vor der Brücke zu den kleinen Insel

Unsere Gehzeit inkl. Pausen: 8:45h
Start: 10:00 – Ankunft: 18:45

Tag 2 - Etwas wackelige BrückeAm nächsten Tag füllten wir nach dem Frühstück unseren Wasservorrat auf, packten zusammen und liefen dann los. Zunächst ging es recht steil bergauf. Oben kommt man dann relativ bald aus dem Wald wieder raus und wandert ein Stück auf recht gerader Fläche. Irgendwann erreicht man die Baumgrenze und man gelangt an die Grenze des Abisko Nationalparks.

Tag 2 - Umrunden des BergesHier muss man darauf achten, den richtigen Weg weiterzugehen und sich nicht täuschen lassen, da der kreuzende Weg breiter und ausgetretener aussieht. Der Kungsleden verläuft jedoch weiter gerade aus. Man passiert gleich darauf einen Rentierzaun und kommt wenig darauf über eine recht wackelige Brücke. Danach umrundet man einen Berg und gelangt dann auf ein Plateau. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick über das südlich Hochfjällmassiv. Übrigens ist beim passieren der Rentierzäune darauf zu achten, dass die Gatter immer gut verschlossen sind. Die Samenfamilien züchten Ihre Rentiere seit vielen Jahren und achten stark darauf, dass sich keine Rentierfamilie mit einer anderen ungewollt vermischt. Nach einem langen Stück führt der Weg endlich abwärts. An einem der Gatter stand ein Schild mit den Abfahrtszeiten des Bootes. Verpasst man es, muss man noch weitere 7km laufen. Nachdem das Wetter sich gegen Nachmittag deutlich verschlechterte, entschieden wir uns mit dem Boot zu fahren. Wir waren die ersten an der Anlegestelle. Das Boot fuhr erst eine halbe Stunde später. Also hatten wir noch genügend Zeit um auszuruhen.

Kurz darauf kam ein schwedisches Pärchen aus Malmö zur Anlegestelle, beide waren so um die 30 Jahre alt. Wir rätselten alle, ob und wo man die Flagge hissen musste. So kamen wir ins Gespräch. Wir unterhielten uns, über die schwedische Fjälllandschaft, was jeder so beruflich tat und stellten unglaublicherweise fest, dass Ihre Schwester im Berliner Standort des Unternehmens in dem ich arbeite in der Kundenbetreuung gearbeitet hatte (und es gibt ins gesamt nur eine Handvoll Kollegen, die für die schwedischen Kundenbetreuung arbeiten). Unglaublich, wie klein die Welt doch ist.

Der Bootstransfer zu den Alesjaure Hütten war für unseren Geschmack mit ca. 20€ pro Person ziemlich teuer, aber wir hatten einfach keine Lust bei dem Wetter weiterzuwandern.

Unglücklicherweise fing es während wir warteten zu regnen an. Unsere 3-Lagen Jacken konnten sich bei dem Wind und Regen wunderbar bewähren.

Nachdem das Boot ankam, regnete es schon recht heftig – durch den Fahrtwind wurde der Regen ins Gesicht gepeitscht, sobald man unter dem Schutzdach hervor lugte. Dennoch war es ein schöner Anblick vom Wasser aus die Landschaft ansehen zu können. Der Bootsmann erklärte uns, dass hier im Winter öfter mal Eistaucher herkommen und in dem See tauchen gehen. Respekt!

Nach etwa 20 Minuten kamen wir auf der anderen Seite des Sees bei den Alesjaure-Hütten an.

Tag 2 - Blick vom Zeltplatz (nahe der Alesjaurehütten) auf das VogelgebietSie befinden sich auf einer kleinen, recht hügeligen Insel. Von dort aus, hat man einen herrlichen Ausblick in beide Richtungen. Zunächst klärten wir einmal wo man kostenlos übernachten dürfe: Kostenlos übernachten darf man vor der Brücke zur Insel, aber die Toiletten dürfen erfreulicherweise dennoch mit benutzt werden. Wir fanden einen sehr schönen Platz, leicht exponiert, mit traumhaftem Blick in beide Richtungen.

Die Alesjaure-Hütten sind die größte Anlage unserer Kungsleden-Strecke. Sie hat einen Shop und eine Sauna. In den Anlagen kreuzen sich mehrere Wege. Die Hütten sind ein beliebter Ausgangspunkt für Ornithologen, die die dortige „Vogel-Hochburg“ erkunden wollen. Nachdem wir unsere Krabbensuppe etwas strecken wollten, besuchten wir den dortigen Laden – und entschieden uns für Nudeln. Leider war das nicht gerade die beste Entscheidung, sie schmeckten mehlig und wollten einfach nicht richtig weich werden. Bis heute weiß ich nicht, ob alle schwedischen Nudeln so sind oder wir einfach nur besonders  Billige zu einem überteuerten Preis gekauft hatten. Aber wie sagt man doch „Der Hunger treibt’s rein“.

Tag 2 - Beim kochen...Abends beim Kochen tuckerten zwei Ranger mit strengem Blick auf Ihren Quads vorbei. Zwischendrin lief ihr Hund scheinbar recht happy entlang.

Im Laden bei den Hütten haben wir uns noch einen O’boy Kakao gekauft – das war wohl der beste Kakaos, den wir beide je getrunken haben. O’boy gibt es auch als „trekkinggeeignete“ Variante, bei der man nur heißes Wasser braucht. Der Kakao hat wirklich gut getan nach diesem anstrengenden Tag.

Nachdem es Sabrinas Hüfte vor Überanstrengung an dem Abend sich beschwerte, legten wir uns recht bald schlafen. Das Wetter war leider sowieso nicht das Beste, also verpassten wir auch nicht viel.

Kungsleden-Etappe 3 – Alesjaure nach Tjäktja

Etappeninfos

Etappenlänge: 13km bis zur Hütte (bzw. 14km bis zu unserem Übernachtungsplatz)
Offizielle, reine Gehzeit: 5-6h
Übernachtungsmöglichkeiten: Kostenpflichtig bei den Tjäktjahütten oder ca. 1km weiter in der Nähe des Flußes

Unsere Gehzeit inkl. Pausen: 4:30h
Start: 11:00 – Ankunft: 15:30

Tag 3 - Überqueeren einiger BächeHeute ließen wir es gemütlich angehen: Etwas länger schlafen und ein gemütliches Frühstück. Das Wetter am Morgen war noch gut, sah aber sehr nach zu erwartendem Regen. Schnell Töpfe auswaschen, Zelt zusammenpacken und noch einmal den Luxus von Plumpsklos genießen und dann den Rucksack schultern und auf geht’s!

Heute ging es über Holzpaneele an dem Ornithologischen Gebiet vorbei bis es dann später Richtung Tjäktjapass ging. Trotz Sabrinas gestriger Hüftschmerzen lief es sich so gut wie an keinem Tag. Die „Marschgeschwindigkeit“ war heute eine regelrechte eine Raserei. War es der Regen der uns so motivierte oder die Gewöhnung an das Laufen? Egal. Es lief jedenfalls.

Auf dem Weg Richtung Tjäktja kommt man irgendwann über eine ziemlich große Brücke. Direkt davor machten wir eine kurze Pause um uns ein wenig zu stärken und etwas zu trinken. (Die 3-Lagen GoreText-Jacken bewährten sich bei dem Regen und dem Wind wirklich!)
Tag 3 - Die 3-Lagen GoreText-Jacken waren echt optimal bei dem Regen.Faszinierend, was für unterschiedliche Arten von Trekker/Wanderer es gibt. Einer kam vorbei mit einem wirklich riesigen Rucksack. Mindestens 90+ Liter. Er war alleine unterwegs.
Kurz darauf kam eine alleine wandernde Frau – mit ihrem Hund – vorbei. Der Hund trug selbstverständlich sein fressen selbst.

Achja, genau – Regen. Tja, von dem gab es heute leider mehr als genug. Doch gerade der heutige Streckenabschnitt soll einer der schönsten sein. Aber so ist das nun mal draußen in der Natur.
Einige Flüsse konnten über Steine springend überquert werden.
Bis auf den letzten etwas größeren (oder zumindest vom Regen größer angeschwollenen). Keine Brücke führte hinüber und um ihn von Stein zu Stein zu passieren, war er zu tief. Klar hätte wir ihn durch furten können, aber dazu hatten wir bei dem Regen auch wenig Lust. Nach ein wenig Sucherei fanden wir ein Stück flussaufwärts eine natürliche Brücke aus Schnee. Unterhalb, quasi in der „Brückenhöhle“, der Fluss – reißend! Wir sahen spuren über die Schneebrücke führen. Ok. Ein gutes Zeichen. Allerdings sollte man der Schneebrücke nicht blind vertrauen, nur weil dort Spuren zu finden waren. Schließlich kann sich inzwischen einiges verändert haben, nachdem es einige Tage nicht mehr geregnet hatte, konnte die Spur auch mehrere Tage alt sein. Also, ganz vorsichtig. Erst einmal ohne Rucksack. Einer nach dem anderen. Kurz bevor ich drüben war, hörte ich einen Schrei, gefolgt von einem „Au!“ Die Felsen davor waren durch den Regen glitschig und teilweise noch vereist. Tag 3 - Der Fluß ist doch stärker angeschwollen und war reißender als er zunächst aussahSabrina hatte das wohl nicht gesehen, was dazu geführt hatte, dass sie sich ungewollt hinsetzte. Glücklicherweise war das mehr Schreck vor Überraschung als eine tatsächliche Verletzung. Der Rucksack tat hier gute Dienste als „Steißbein-Airbag“. Puh. Verletzungen sind immer eine der schwierigsten Situationen beim Trekking. Denn das Krankenhaus ist nicht so, wie in unserer heutigen modernen Welt gerade mal höchstens 30 Minuten vom Notruf bis zur Einlieferung entfernt. Für solche Fälle muss man sich bei dieser Kungsleden-Etappe allerdings verhältnismäßig wenig Sorgen machen. Die Hütten sind alle relativ nah beieinander. Sie haben alle Notrufmöglichkeiten und es sind viele andere Wanderer unterwegs, die einem im Notfall helfen könnten. Was sich einige Tage später auch bewahrheiten sollte.

Tag 3 - Das Klima verändert sich, immer mehr Schneefelder müssen passiert werdenNachdem sich der Schreck gelegt hatte, konnten wir die Schneebrücke passieren.
Ab jetzt ging’s aufwärts. Ein wenig abseits stehend kamen wir an einer Samenhütte (oder was auch immer für Hütten da so in der freien Wildbahn herumstehen) vorbei. Der Regen hörte auf und daher konnten wir die Pause etwas ruhiger angehen lassen als die Letzte.
Von unserem Pausenort konnten wir die Tjäktjastugan (Stugan=Hütte) bereits erspähen. Also machten wir auf. Oben angekommen, ging es noch ein Stück auf ebener Strecke, bis wir zu einer Brücke kamen, die zur Tjäktjahütte geführt hätte. Diese war aber nicht unser Ziel. Wir wollten an einem schönen Plätzchen für uns sein, also liefen wir weiter. Der Weg danach wurde sehr felsig und quasi nicht mehr sichtbar.

Tag 3 - Wegloses, hochalpines Gelände - Wo geht's lang?Die paar Höhenmeter Unterschied machten sich im Klima allerdings tatsächlich sehr deutlich bemerkbar. Es war ziemlich kalt und windig. Wenn man die Höhenmeter in Lappland verdreifacht, hat man in etwa die vergleichbare Höhenmeterzahl in den Alpen. In dem Fall wären das gut 3.000 Meter. Und genauso Hochalpin sah es aus und fühlte es sich an.
Nachdem das Zelt stand, ging es an das „Wichtigste“ jeden Tages – Essen kochen.
Heute gab es Milchreis. Lecker! Wirklich zu empfehlen, der Globetrotter Trekking-Milchreis.

Danach haben wir das schöne Wetter noch ein wenig genossen – allerdings vom Zelt aus. Draußen war es einfach zu kalt und zu windig. Auf der anderen Seite vom Fluss, weiter oben am Berghang, sahen wir sich etwas ständig hin und her bewegen. Leider hatten wir kein Fernglas dabei, um das Tier genauer zu beobachten, deshalb begnügten wir uns damit die uns die wildesten Theorien zusammen zu spinnen, welches Tier das wohl sein könnte.

Kungsleden-Etappe 4 –
Von Tjäktja über den Tjäktja-Pass nach Sälka

Etappeninfos

Etappenlänge: 12km
Offizielle, reine Gehzeit: 3-4h
Übernachtungsmöglichkeiten: Kostenpflichtig in der Hütte oder kostenlos mit dem Zelt in Sälka, Saunabenutzung ca. 5€ pro Person (nur als Zeltgast)

Unsere Gehzeit inkl. Pausen: 5:30h
Start: 9:45 – Ankunft: 14:15

Tag 4 - Frühmorgens - Nebel am PassGegen 6:00 am Morgen pfiff der Wind dermaßen stark, dass wir nicht mehr schlafen konnten. Also schauten wir aus dem Zelt und würden von einer regelrechten Kältewand empfangen. Es war nicht nur frisch, sondern richtig kalt. Laut Windchill-Tabelle ist bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 50 km/h und einer Außentemperatur von 0°C die tatsächliche Temperatur -8,1°C. Für meine Frau, war das auch der ausschlaggebende Moment aufzustehen und sich schon so früh auf den Weg zu machen.

Der Pass war an dem Morgen komplett im Nebel verschwunden. Und da wollten wir rauf?

Nachdem wir gemütlich in die Schlafsäcke gekuschelt gefrühstückt hatten, mussten wir in dem Wind irgendwie das Zelt zusammenpacken. Tatsächlich ist es trotz des Windes zu zweit gar nicht so schwer, wie man vielleicht meinen könnte.

Tag 4 - Steiniges GeländeWir mussten erst mal einige Meter zurück auf den Weg, der sich kurz darauf in einem Feld aus Steinplatten verlor. Der mit den roten X-Schildern gekennzeichnete Winterweg wich laut Karte vom Sommerweg ab und sah auch nicht unbedingt wie ein geeigneter Sommerweg aus, also versuchten wir uns an den Sommerweg zu halten, was tatsächlich gar nicht so einfach war. Letztlich haben wir den Weg dann auch verloren und sind einfach auf dem für uns am besten aussehenden Weg zwischen den Seen aus geschmolzenem Eis und Schnee, den Schneefelder und den Steinplatten entlang gewandert.

Kurz vor dem letzten Anstieg zum höchsten Punkt des Passes lag ein noch haufenweise alter Schnee – und unten drunter konnte man viele kleine Bächlein fließen sehen. Na super, aufgeweichter, instabiler Schnee und dann auch noch locker 10-20cm darunter fließendes Wasser. Aber es half ja nichts – wir mussten da rauf. Tag 4 - schmelzende Schneefelder mit fließendem Wasser drunter mussten überqueert werdenAuf halbem Weg brachen wir in eine tiefe und instabile Stelle ein. Der erste Gedanke war: “Schei…, die Schuhe sind naß!” Als wir dann oben ankamen, konnte ich erleichtert feststellen, dass es sich wohl nur aufgrund der Kälte von außen so angefühlt hatte. Puh!
Denn nasse Schuhe sind kein Spaß.

Endlich sind wir oben angekommen und der Blick in das Tal auf der anderen Seite ist einfach überwältigend. Zurückliegend blickt man auf eine steinige Landschaft mit vielen Schneefeldern und auf der anderen Seite auf ein wunderbarvolles, grünes Tal mit einem Fluß, der sich das ganze Tal entlang schlängelt.

Tag 4 - Schutzhütte an der höchsten Stelle des TjäktjapassesOben befindet sich eine kleine und einfache, unbewirtschaftete Schutzhütte, in der es nach dem Wind draußen trotzdem schön warm ist. Das war genau der richtige Ort für eine Rast!

Zeit um etwas zu Essen und zu Trinken. Nur – wo war meine Wasserflasche? Weg! Zum Glück hatten wir vier Flaschen dabei.

Kurz darauf kamen zwei Schweizerinnen zur Tür herein, die bereits früh von der Tjäktjastugan Hütte los gelaufen sind. Wir hatten uns kurz vorgestellt und dann erzählten sie, sie hätten eine Frankenbrunnen Flasche auf dem Weg gefunden und haben Sie mal eingepackt, falls sie jemand vermisst. Das gibt’s doch nicht! Ich musste Sie irgendwo auf dem Weg verloren haben. Schon hatten wir einen Aufhänger und kamen ins Gespräch. Die beiden waren auf genau der gleichen Route wie wir unterwegs.

Tag 4 - Blick zurück auf den PassTag 4 - "LichtBlick" ins vor uns liegende TalJetzt ging’s relativ Steil ins Tal runter über recht feuchtes, teilweise eisiges Gelände.

Unten angekommen führte der „Weg“ weiter über sehr große Steinplatten mit stellenweise ziemlich großen Spalten. Ein Stückchen weiter fanden wir einen schönen See, der regelrecht zu einer Mittagspause einlud. Das letzte Stück Parmesan und die letzten Kaminwurz-Würste mussten dran glauben. Beides hatte sich übrigens zu unseren Pausen-Favoriten entwickelt.

Das Tal nach dem Tjäktja-Pass bis nach Sälka ist eigentlich wirklich schön. Leider hatte uns die Sonne an dem Tag nicht so gerne, daher hatten wir nur kurze “Lichtblicke”.

Sälka sieht man erst sehr spät – quasi, wenn man schon fast davor steht.Es standen bereits ein paar Zelte, jedoch nicht viele, da wir sehr früh ankamen. Die Zelte in Sälka werden zwischen mehreren Flussarmen aufgestellt. Wirklich sehr schön! Und das Beste: Sälka hat eine Sauna. Es war Zeit für einen Waschtag.

Tag 4 - Abendsonne in SälkaNachdem wir eine sehr enttäuschende Suppe mit winzigen Fleischklößchen gekocht hatten, war es Zeit für die Sauna. Dort trafen wir zwei Stockholmer Studenten, die gerade dabei waren eine Flasche Jägermeister zu leeren. Respekt – und das bei der Hitze. Nachdem wir nach der Tour noch ein paar Tage in Stockholm waren, war das ganz praktisch und sie konnten uns ein paar interessante Tipps geben. Übrigens waren Sie vom schwedischen Pizza-Stil absolut überzeugt.

Bei der Gelegenheit fragte ich sie wo wir denn Surströmming (eine schwedische, traditionelle Spezialität) Stockholm herbekommen konnten. Sie wusste es allerdings auch nicht so genau, meinten aber, das sei jetzt nicht die richtige Saison dafür. Übrigens war die Flasche Jägermeister inzwischen leer und sie wechselten zu einer Flasche Captain Morgan. In der Sauna haben sich alle die Frage gestellt, wo Sie überhaupt so viel Alkohol herhatten. Irgendjemand hatte sie vorher schon getroffen und meinte, sie hätte riesige Rucksäcke mit über 30kg Gewicht, in denen Sie haufenweise Alkohol (und das bei den schwedischen Preisen) und Batterien für eine transportable Musikanlage (was für ein Gerät das genau war, weiß ich nicht) dabei hatten. Aber eines wusste sie: Wie man am besten saunt. Tatsächlich war es äußerst erfrischend in dem gut 10m entfernten, eiskalten Fluss einmal komplett unterzutauchen.

Nach der Sauna hatten wir wieder so einen Hunger, weil die Suppe einfach nicht satt gemacht hat, dass wir uns nochmal was zu essen gemacht hatten.

Wir ließen den Abend entspannt ausklingen und genossen den wunderschönen Sonnenuntergang.

Kungsleden-Etappe 5 –
Von Sälka über Singi bis ca. 5 km vor dem Kaitumjaure

Etappeninfos

Etappenlänge: 20km
Offizielle, reine Gehzeit: ca. 5-6h
Übernachtungsmöglichkeiten: Kostenpflichtig bei den Sälkahütten (nach 12km) oder nach 20km beliebig mit dem Zelt

Unsere Gehzeit inkl. Pausen: 8:00h
Start: 9:40 – Ankunft: 17:40

Tag 5 - BergblickDie Morgensonne strahlt, es ist früher morgen und ein herrlicher Tag scheint uns zu erwarten.

Nachdem wir unseren Kram zusammengepackt haben, wiegen wir noch unsere Rucksäcke an der Waage bei den Sälka-Hütten und dann geht’s los – mit einem kleinen Anstieg nach den Hütten.

Als nächstes passieren wir einen Rentierzaun und gelangen an eine Stelle, an der sich die Wege trennen. Nach rechts zweigt der Nordkalottleden  ab, wir wandern natürlich weiter auf dem Königspfad. Die Strecke führt stets neben dem Fluss entlang und man passiert immer wieder mal einige Seitenflüsse wie z.B. den Kuoperjakka über einen eindrucksvollen Canyon. Die alte, hölzerne Brück ist zwar verfallen und nicht mehr intakt, dafür gibt es aber eine Stahlbrücke über die man den Fluß bequem passieren kann und von oben den Canyon mit dem eisblauen Wasser, welches sich durch die schroffen Felsen einen Weg bahnt genießen kann.

Kurz darauf kommt man an einige Rasthütten mit einer Toilette. Nachdem die Aussicht von dort aus auch ganz nett ist, machen wir es uns bequem, naschen ein paar der gestern Abend im Hütten-Shop erstandenen Salami-Stängchen und lassen die Seele ein wenig baumeln.

Tag 5 - WegmarkierungNach einer gemütlichen halben Stunde Pause und einem Blick auf die Karte, raffen wir uns auf und wandern weiter. Der Kungsleden führt an der Samensiedlung Kartjevuolle vorbei, die im Sommer allerdings verlassen ist. Wenn man bedenkt, dass die Samen das ganze Jahr über hier draußen leben und insbesondere früher alles noch schwieriger und noch weniger Möglichkeiten hatten, muss man Ihnen einfach großen Respekt zollen. Unser bequemes und sozial kompliziertes Städter-Leben bringt sicherlich auch einige neue (selbstgemachte) Schwierigkeit, aber die Dimension ist doch eine ganz andere.

Bald erreicht man Singi. Die Hütten liegen zwischen einem Fluß, d.h. der eine Teil der Siedlung ist auf der einen Seite des Flußes (welcher Trinkwasser führt) und der andere Teil eben auf der anderen Seite. Bei den Hütten haben wir deutsches Pärchen getroffen, die uns freundlicherweise zu einem Tee eingeladen haben. Sie war Ärztin (wenn ich mich recht entsinne aus München), er war Kaufmann (ich glaube aus Hamburg). Kurz darauf kamen die beiden Schweizerinnen in die Hütte, die wir am Tjäktjapass getroffen haben. Scheinbar kannten sie sich schon aus der vorherigen Hütten.

Der Tee tat ausgesprochen gut und wir waren Dankbar für die Pause, denn im Gegensatz zu den meisten anderen hatten wir vor, noch ein Stück der nächsten Etappe zu laufen, um diese von eigentlich 24km etwas zu verkürzen – schließlich hatten wir ein Zelt dabei, also konnte wir den Vorteil auch ausnutzen. Fast schon bezeichnend war die Szene, als wir alle unsere „Weh-Wehchen“ versorgten und dann begannen „Trekking-Erste-Hilfe-Behandlungsutensilien“ zu tauschen: Blasenpflaster gegen Blut-Lanzetten.

Tag 5 - Immer am Fluß entlangIrgendwann war der Tee dann doch ausgetrunken und wir machten uns wieder auf den Weg. Nach Singi führt der Weg am Fuß des Berges Stuor-Jerta entlang und um diesen herum. Die Standortbestimmung mit Hilfe der Karte war gar nicht so einfach, weil ich ständig darauf gewartet habe, dass wir diesen einen Bach passieren, das aber nie der Fall war – weil er ausgetrocknet war. Das war eine hilfreiche Lektion im Kartenlesen und der Orientierungskunde. Theoretisch braucht man für den Kungsleden keine Karte, da die Wege recht gut markiert sind. Phasenweise ist die Orientierung dann allerdings doch recht schwierig, wenn es durch Steinfelder geht und gar kein Weg mehr zu erkennen ist. Übrigens würde ich grundsätzlich NIE ohne Karte und Kompass aufbrechen. Sollte man sich doch mal verirren – sei es durch fehlende/zerstörte Wegmarkierungen oder durch Nebel – hat man es ohne Karte wirklich schwer. Lediglich die anderen Kungsleden-Wanderer könnten einem in den viel begangenen Zeit noch helfen.

Tag 5 - Blick von unserem Zeltplatz auf den FlußIrgendwann hatten wir den Berg umrundet und entschieden uns neben dem Fluß zu zelten. Scheinbar war vor einiger Zeit schon jemand dort und hat ein kleines Lagerfeuer gemacht. Ursprünglich hatten wir dieselbe Idee, tatsächlich gab es dort allerdings so viele von diesen nervigen, winzigen Kriebelmücken, dass wir uns dagegen entschieden. Außerdem hatte die Sabrina sich einen leichten Sonnenstich eingefangen. Was darin endete, dass sie sich in das halb aufgebaute Zelt legte, während ich noch außen am Zeltaufstellen war. Derweil sie schleif, holte ich noch Wasser und begann zu kochen. Heute gab es „Gourmet-Elchfleischeintopf“ vom Globetrotter. Und die Bezeichnung „Gourmet“ hat er durchaus verdient – erst recht für Trekkingnahrung.

Nachdem essen legten wir uns relativ bald ins „Bett“. Eine anstrengende Passage erwartete uns am morgigen Tag.

Kungsleden-Etappe 6 –
Von Singi über Kaitumjaure bis nach Teusajaure

Etappeninfos

Etappenlänge: 24km
Offizielle, reine Gehzeit: ca. 7-8h
Übernachtungsmöglichkeiten: Kostenpflichtig bei den Singihütten, zwischendrin bei den Teusajaure-Hütten oder beliebig mit dem Zelt

Unsere Gehzeit inkl. Pausen: 5:45h
Start: 10:45 – Ankunft: 16:30

Tag 6 - Verfallene SamenkoteDie Sonne lachte uns am Morgen entgegen. Jetzt hieß es Frühstücken, Wasser auffüllen und Zelt zusammenpacken.

Einige Meter weiter kamen wir an einer verfallenen Kote vorbei. Sehr interessant. Da sie nicht komplett verfallen ist, sieht man sehr schön die Bauweise und die Schichtentechnik. Respekt, muss ich sagen – sehr geschickte Bauweise.

Kurz darauf überquert man eine eiserne Saisonbrücke, steigt ein Stück auf, wird mit dem Blick auf den Sarek-Nationalpark belohnt und kommt dann in ein größeres Waldstück, welches letzten Endes bergab Richtung Kaitumjaurehütten führt.

An der einladenden Sitzbank mit Tisch bei den Kaitumjaurehütten konnten einfach nicht vorbeigehen und haben hier Mittagspause gemacht. Die Kaitumjaurehütten haben wieder einen Laden in dem es sich auch empfiehlt einzukaufen, da die kommenden Teusajaurehütten keinen Laden haben. Aber: Vor dem Betreten des Ladens, Schuhe ausziehen nicht vergessen.

Tag 6 - Reißender Strom nach den Teusajaure-HüttenNun aber zurück zur Mittagspause und dem traumhaften Kaitumtal. Man blickt von oben auf ein bewaldetes Tal in dem ein großer See liegt. Wir hatten sogar das Glück in der Ferne eine Elchkuh mit ihrem Jungen vorbeiziehen zu sehen.

Die beiden Schweizerinnen kamen gerade an, während wir uns wieder auf den Weg machten. Sie sind schon früh losgegangen, da sie in den Singihütten übernachtet hatten, hatten Sie an dem Tag eine Strecke von 24km zurückzulegen.

Nun führt der Kungsleden weiter durch den Wald. Der Weg führte nach einiger Zeit über eine Brücke die über den Kaitumjakka führte. Mit dem überqueren der Brücke betritt man nun den nächsten Nationalpark. Leider fing es jetzt gerade an zu regnen, also hieß es GoreText-Jacken auspacken und weiter geht’s.

Tag 6 - Beginn des NationalparksDirekt am Wegesrand stand ein riesiger Pilz, den erfreulicherweise keiner der Wanderer zerstört hatte. Ein recht sumpfiges Gebiet folgte und es ging langsam aber stetig aufwärts. Das Stück empfanden wir tatsächlich als recht unangenehm, da man immer wieder dachte „Jetzt sind wir endlich oben“ nur am dann, wenn man „oben“ ankam zu sehen, dass ein weiterer Hügel auf den Wanderer wartet. Das Spiel wiederholte sich immer und immer wieder.

Irgendwann kamen wir zu einem sehr steilen Abstieg, der zu den Teusajaure-Hütten führte.
Einige nervenaufreibende Zeit später, hatten wir es endlich geschafft und kamen bei den Hütten an.

Tag 6 - Der Teusajaure-SeeDer Hüttenwart begrüßte uns und erklärte, wo wir Zelten dürften und was es koste. Die Zeltplätze war alles andere als optimal. Kaum Platz und sehr steinig. Leider hat man hier keine Alternative und muss bei den Hütten Zelten, da man sich im Nationalpark befindet.

Zu allem Unglück begann es auch noch zu Regen – und das Zelt stand noch nicht – und das auch noch bei dem schwierigen Gelände. Jetzt hieß es: Endspurt im Teamwork!
Puh! Gerade noch vor dem richtig bösen Regenschauer geschafft. Der Regen dauerte auch nicht lange an und die Mücken krochen daher aus Ihren Löchern gleich wieder raus.

Heute gab es Kartoffelpüree mit Soße in rauen Mengen, welches wir mit nun wieder traumhaftem Blick auf den See genossen.

Tag 6 - Blick aus dem Zelt beim Abendessen auf den Teusajaure-SeeNach und nach kamen immer mehr Wanderer und sogar eine größere Gruppe mit schwedischen Pfadfindern – alle etwa um die 15-16 Jahre. Am Abend mussten Sie auch noch verschiedene Aufgaben erfüllen. Sehr amüsant zu zusehen.

Wenn man einmal auf einer Wanderung in den Genuss einer Sauna gekommen ist, kommt man einfach nicht umhin das wohlige, erholsame Gefühl in eines Saunagangs genießen zu wollen. Also gingen wir saunen. Abkühlung gab‘s mit einem Sprung in den kalten See. Traumhaft!

Nachdem der Abend noch so wunderschön war, ließen wir ihn mit dem traumhaften Blick auf den See und den weichen Sonnenstrahl der Mitternachtssonne ausklingen.

Kungsleden-Etappe 7 –
Von Teusajaure nach Vakkotavare

Etappeninfos

Etappenlänge: 15km

Offizielle, reine Gehzeit: ca. 5-6h
Übernachtungsmöglichkeiten: In den Vakkotavare-Hütten oder man fährt mit dem Bus weiter.

Unsere Gehzeit inkl. Pausen: 6:10h

Start: 8:20 – Ankunft: 14:30

Tag 7 - Überfahrt über den Teusajaure-SeeDer letzte Abend endete wunderschön und der Morgen begann genauso. Der Teusajaure-See ist am Morgen fast noch überwältigender als am Abend.

Die beiden Schweizerinnen sind am gestrigen Abend ebenfalls angekommen und planten früh aufzubrechen. Nachdem sie sich bereits beim Hüttenwart bzgl. der Überfahrt erkundigt hatten und er Ihnen mitteilte, dass er heute bereits um 9:00 mit der Überfahrt beginnt, da er später weg müsse, teilten die beiden uns die Info freundlicherweise mit. Also hieß es, schnell frühstücken und zusammenpacken. Die Überfahrt mit dem Motorboot ist nicht ganz günstig und kostet so grob 11€ pro Person. Falls man von der anderen Seite kommt und eine Überfahrt wünscht, hisst man einen weißen Kanister. Wer unbedingt möchte, kann sich die Kosten auch sparen und selbst rudern.

Tag 7 - Blick zurück in das Teusajaure-TalAllerdings kann das im Ungünstigsten bedeuten, dass er 3x rudern muss, da auf beiden Seiten immer ein Boot liegen muss.

Das Prinzip funktioniert so: Auf beiden Seiten liegt ein Ruderboot. Zuerst ruder man rüber und nimmt das drüber liegende Boot im Schlepptau und zieht es auf die andere Seite. Jetzt liegt auf der anderen Seite auch wieder ein Boot und man kann nun wieder zurück rudern und aussteigen. Damit liegt wieder auf beiden Seiten ein Boot. Die Entfernung ist nicht all zuweit, ist aber bei etwas Wind nicht zu unterschätzen.

Sabrina fiel während der Bootsüberfahrt aus, wie extrem durchtrainiert seine Beinmuskulatur war und wir fragten uns danach, wie das Möglich war. Später dazu noch mehr.

Tag 7 - Blick auf das Sarek-GebirgeAuf der anderen Seite geht es etwa 1km weiter bergauf durch ein Krüppelbirken-Wäldchen. Ist man oben angelangt, kann man ins Tal hinunter sehen und hat einen netten Ausblick darüber.

Danach führt der Kungsleden ein langes Stück durch eine Heidelandschaft.

Und dann wurde es windstill – die gierigen, kleinen Mückenbestien freute das umso mehr und wir zogen einen regelrechten Schwarm hinter uns her. In dem Fall konnten wir nur auf etwas Wind hoffen – leider wurde die Hoffnung nicht erfüllt. Die beiden Schweizerinnen hatten das Boot vor uns genommen und wir trafen Sie gerade rastend. Ich fürchte allerdings, dass sie den Mückenschwarm, den wir mitbrachten gar nicht so lustig fanden und wanderten daher bald wieder weiter.

Tag 7 - Unglaubliches LeuchtmoosDer Kungsleden führte nun über einen gefühlte überflüssigen Umweg ein paar Hundert Meter bergab, dann über eine Brücke und dann wieder Bergauf, nur um in 20m Luftlinie Entfernung weiter zu führen. Kurz drauf läuft man über Holzpaneele an einem See vorbei und darf dann bald das Sarek-Gebirge in seiner vollen Pracht aus der Ferne begutachten.

Für uns sah das doch nach einem recht einladenden Platz für die Mittagspause aus.

Da wir den Bus nach Gällivare noch erwischen wollten, beeilten wir uns gingen bald weiter.

Nach einiger Zeit führt der Kungsleden durch eine recht steinige, aber trotzdem wunderschöne  Landschaft vorbei. An einigen Stellen wuchs ein faszinierendes, fast schon fluoreszierendes „Leucht-Moos“. Die Fotos sind übrigens nicht (!) nachbearbeitet. Es sah tatsächlich so aus. Ob das wohl eine Auswirkung von Tschernobyl war? Nein – natürlich nicht. Aber es leuchtet so stark, dass man es kaum glauben mag. Schon gar nicht, wenn man es nicht direkt mit eigenen Augen, sondern nur auf einem Foto gesehen hat.

Plötzlich kommt jemand an uns vorbei gejoggt, dreht sich um, scheint uns zu erkennen und hält dann an. Kaum zu fassen! Der Hüttenwart muss mit einem unglaublichen Tempo die schwierige Strecke entlang gejoggt sein. Er unterhält sich ein wenig mit uns – und ist nicht einmal sonderlich außer Atem. Er erzählt, dass er jemanden in Vakkotavare abholen muss und immer, wenn er etwas braucht joggen muss. Man kommt auch mit dem Hubschrauber nur schwer in das Tal bei den Hütten, da es keinen geeigneten Landeplatz gibt. Dann joggt er weiter. Einige hundert Meter weiter trifft er wieder jemanden, und hält kurz an, um dann endlich konstant weiter joggen zu können. Respekt! Heute weiß ich, dass man das ganze Trail Running nennt. Sehr faszinierend. Das erklärt auch, weshalb er solch eine ausgeprägte Beinmuskulatur besitzt.

Das Wetter hält an dem Tag an und es wird langsam ordentlich warm. Und kein Wind weht. Zum wandern fast schon zu warm. Aber naja, irgendetwas hat man am Wetter ja immer auszusetzen. Und man kann auch so schön darüber „lästern“, da schließlich niemand etwas dafür kann und keiner danach  beleidigt ist.

Tag 7 - Der für meinen Magen/Darm verhängisvolle BachNachdem wir an einigen Bächen vorbeikamen und die Sonne uns immer stärker briet, dachte ich mir, „Ah ein Bach, da trinke ich doch paar Schluck“. Das Wasser schmeckte auch wunderbar.

…aber kurz darauf rebellierte mein Magen. War klar: Einmal den Wasserfilter nicht benutzt und schon rächt es sich. Gut, wir waren nicht mehr so tief in den Bergen, aber ich dachte, nachdem der Bach trotzdem noch von oben kam, wird es schon passen. Tja verschätzt. Ich hatte allerdings wenig Lust jetzt kurz vor Schluss deswegen den Bus zu verpassen, also machte ich kurzen Prozess: Kohletablette und Durchfall-Tablette. Wir machten etwas Pause und gingen dann langsam weiter. Etwa eine Stunde später ging es mir auch schon wieder ganz gut.

Tag 7 - Das Ziel ist schon in Sicht!So langsam kommt das Ende in Sicht. Ein recht steiler Abstieg begleitet von einer langen Kette traumhafter Wasserfälle erwartet uns.

Der Hütten wart kommt uns nun wieder entgegen – diesmal in Begleitung zweier Gäste.  Unglaublich, was für eine Kondition er haben muss!

Irgendwann sieht man von oben schon die ersten Autos und einen Strommasten. Ein wirklich merkwürdiges Gefühl, nachdem man viele Tage lang nahezu keine Anzeichen von Zivilisation gesehen hat. Auf den letzten Metern stellt sich schon langsam das absolut überwältigende, nur schwer zu beschreibende Gefühl ein, etwas Schwieriges und Anstrengendes aus eigener Kraft geschafft zu haben. Ich könnte nun noch seitenweise darüber schreiben und würde es wahrscheinlich doch nicht in Worte fassen können. Allerdings habe ich inzwischen viel darüber nachgedacht, welche Bedingungen es braucht, damit dieses Gefühl entsteht.

Tag 7 - Wasserfall im Stora Sjäfallet NationalparkDiese können vor allem mit der passenden Tourenplanung abgedeckt werden:

  • Möglichst keine Unterbrechung (z.B. durch einen Aufenthalt in einem richtigen Hotel oder einem Zwischenstopp in einer Stadt, einem etc.)
  • Es sollte eine Herausforderung geben, die aber nicht so anspruchsvoll sein darf, dass man sie unter Umständen z.B. aufgrund fehlender Erfahrung nicht oder nur sehr schwer unter Kontrolle bringt. Die Art der Herausforderung kann prinzipiell alles Mögliche sein.
  • Es sollte/darf ruhig auch mal einen Tiefpunkt geben. Das Hoch ist danach umso intensiver.
  • Eigenständig mit dem Zelt unterwegs zu sein verstärkt den Effekt psychisch als auch physisch noch ein wenig

Nun passieren wir die letzte Holzbrücke und kommen bei der Vakkotavare-Hütte an.  Die beiden Schweizerinnen erwarten uns schon und warten ebenfalls auf den Bus – Mit einer eisgekühlten (!) Cola in der Hand. Genau das Richtige, um sich wieder an den Luxus der Zivilisation zu gewöhnen.

113 km zu Fuß auf dem Kungsleden-Nord sind geschafft!

Fotogalerie – Kungsledentour 2009

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Trekking-Ausrüstungsliste – Kungsledentour 2009

Zur Ausrüstungsliste unserer Trekkingtour am Kungsleden 2009.

Hütten-Übernachtungskosten am Kungsleden 2010 (Nord)

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